Wir vertreten die MAINung, dass Politik von der Diskussion lebt. Dieser Idee haben wir unseren Blog gewidmet. Wir sind Nikolaus Barth und Daniel Müller. Langjährig in der Jungen Union/CSU aktiv und zwischenzeitlich in verschiedenen Berufen und Orten beheimatet. Wir sind unseren Wurzeln dennoch weiterhin verbunden und mit dem steten Drang sich zu Wort zu melden. Die Themen reichen vom Untermain über München und Berlin bis nach Brüssel und darüber hinaus.

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Mittwoch, 7. Januar 2015

Spiritus rector

Erlenbach. Er kann reden. Als Testat gilt der reichliche Applaus von 400 Zuhörern. Gesprochen hat kein Staatspräsident, Wirtschaftsführer oder geistliches Oberhaupt. Es war viel profaner, handelte es sich doch um die Neujahrsansprache des Erlenbacher Bürgermeisters. Michael Berninger lud am Dreikönigstag in die Frankenhalle ein. Leitmotiv seiner Rede, oder genauer deren gedankenleitende Frage, war: "Dürfen wir träumen?".

Er bejahte sich dies selbst und grenzte seinen eher pragmatischen Traumbegriff von Illusionen ab.Tatkraft sei notwendig, damit aus Träumen Wirklichkeiten entstünden. Er sprach sich für den gezielten Einsatz von Planung und Strategie aus, damit aus dem Traum eine Vision und aus der Vision die Realität würde. Er sprach vom Geist einer Mannschaft, die in Brasilien Fußballweltmeister wurde. Von deren Willen, Mut, Kraft und Ausdauer bis zum Erreichen des großen Ziels. Er erkannte an, dass der Traum des einen nicht unbedingt der Traum des anderen sei und somit nicht alles in Erfüllung ginge. Selbstkritisch benannte er Wahlergebnisse als ein solches Beispiel. Er bot an, Trost darin zu finden, dass es immer neue Träume oder besser Ziele geben könne und man deshalb ruhig weiter träumen solle. Nur schlafen dürfe man dabei nicht, sonst hole einem die Wirklichkeit schnell ein. Berninger ist damit eines nicht: ein Traumtänzer.

Was ist Berninger dann? Roman Deiningers Plädoyer "Freiheit für das Wort!" für mehr Redekunst in der Politik (Süddeutsche Zeitung vom 15./16.11.2014) verdanke ich die Erkenntnis, dass man wahrlich kein Obama oder Martin Luther King sein müsse, um die Menschen zu berühren. "Eine gute Rede versammelt eine Gemeinschaft vor einem Fenster, und dann zieht sie den Vorhang auf. Eine gute Rede kann erklären und wärmen, ermuntern und mahnen, sie kann - im besten Fall - Identität stiften und Bürgergeist." Deininger weiß auch weiter, was das Publikum davon hat: "Natürlich, Demokratie funktioniert auch ohne Inspiration. Aber sie funktioniert besser, viel besser, mit ihr.". Dankbar bin ich deshalb um Politiker wie Michael Berninger. Sie beherzigen die Kriterien einer guten Rede und sind zukunftsgewandt. Berninger betonte schon auf der Bürgerversammlung im November, dass er bereit sei, Erlenbach neu zu denken, alte Denkpfade zu verlassen und neue Zukunftsstrategien im engen Austausch mit den Bürgern zu entwerfen. Ich zähle auf ihn, denn das ist inspirierend und gut für Erlenbach.