Wir vertreten die MAINung, dass Politik von der Diskussion lebt. Dieser Idee haben wir unseren Blog gewidmet. Wir sind Nikolaus Barth und Daniel Müller. Langjährig in der Jungen Union/CSU aktiv und zwischenzeitlich in verschiedenen Berufen und Orten beheimatet. Wir sind unseren Wurzeln dennoch weiterhin verbunden und mit dem steten Drang sich zu Wort zu melden. Die Themen reichen vom Untermain über München und Berlin bis nach Brüssel und darüber hinaus.

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Sonntag, 10. Januar 2010

Starbucks oder die Causa Americana

Madrid. Zwischenzeitlich kann man durch nahezu jeder Großstadt der Welt laufen. Man wird sie finden. Man kann sie nicht ignorieren, die amerikanischen Filialisten namens Starbucks, McDonalds oder Burger King. Ob Madrid, Istanbul, Sevilla, Dubai oder London, es gibt sie überall.

Dabei sind die Vorzüge von Starbucks auf dem ersten Blick nicht erkennbar. Es gibt überall eine standardisierte Auswahl an heißen und kalten Getränken, Kuchen und Geschenkartikeln. Die Musik ist identisch, die Einrichtung auch. Das Publikum ist stets jung und international. Genial ist dabei, dass man keine Enttäuschung erlebt. Wer einmal dort war und einen zweiten Besuch wagt, kann sicher sein, dass Qualität und Angebot mit dem ersten Besuch übereinstimmen, egal ob er in New York und dann in Dubai oder Madrid ist. Für unsere Gesellschaft ist das ideal, scheinen wir doch inzwischen das Risiko des Unbekannten zu scheuen.

Die Wachstumsmethoden sind dabei ebenso genial wie einleuchtend. Prüfe wo sich ein etabliertes Café in der jeweiligen Stadt befindet, lasse dich auf der anderen Straßenseite nieder und der Erfolg ist nahezu garantiert. Funktioniert natürlich nur als Wachstumsstrategie. In New York und London ist zwischenzeitlich der Schweinzyklus ausgebrochen und es gibt zahllose Ketten, die um die besten Standorte kämpfen. In Madrid hat es funktioniert, in einer Stadt in der es mehr Cafés gibt als irgendwo sonst auf der Welt, immerhin 1 Café auf ca. 50 Einwohner, hat sich Starbucks wunderbar etabliert. Es ist einfacher einen Starbucks zu finden als ein Café, welches die von mir geschätzten churros con chocolate anbietet. Mir liegt es dabei fern dieses zu kritisieren. Die in jüngerer Vergangenheit so häufig verteufelte Marktwirtschaft hat diese weltweite Ausbreitung gefördert und zudem bin ich viel zu häufig selber in einer Filiale als mich zu den Kritikern zählen zu können. Auch halte ich nichts davon politisch auf die Welteroberung einzuwirken, wie dies exemplarisch in der Kommunalpolitik im ländlischen Raum immer noch vorkommt.

Die USA haben sich also spielerisch auf der Welt mit ihrem Geschmack durchgesetzt. Wer wahre Weltmacht ist, der kann es nur sein, wenn seine Art zu leben, eine weltweite Nachahmung findet. Bestenfalls die Italiener haben dies in Ansätzen mit ihrer Küche geschafft, sind aber an der Standardisierung gescheitert. Die USA sind so erfolgreich, dass die britische Assimilation nun vollends geglückt scheint. Inzwischen wird auf der Insel und nicht nur in London bei Starbucks, Costa Coffee und Co deutlich mehr Kaffee als Tee getrunken. Wenn das mal keine Erfolgsmeldung ist. Warum bei diesem Erfolg niemand im Pentagon auf die Idee kam, den Militärhaushalt Starbucks und McDonalds zukommen zu lassen und Bagdad und Kabul mit tausenden von Filialen zu überziehen ist mir in diesem Zusammenhang schleierhaft.

Ob die dortigen "Machthaber" gegen die Ausbreitung von Starbucks überhaupt etwas entgegensetzen hätten können ist fraglich. Nun ja, vielleicht doch. Stuttgart war eine der letzten deutschen Großstädte in welcher Starbucks Fuss fasste. Warum war mir lange nicht klar. Vielleicht lag es an Karstadt, das lange Zeit im Besitz der deutschen Filialen war und sich offenbar auch auf diesem Gebiet nicht auskannte. Ende 2005, Karstadt hatte Starbucks abgestoßen, eröffneten die ersten Filialen. Unter anderem in der Calwer Straße in direkter Nachbarschaft zu meinem Lieblingscafé, welches kurz darauf schließen musste. Neulich war ich einmal wieder in Stuttgart und fand mein Lieblingscafé größer und schöner und neueröffnet in direkter Nachbarschaft zu Starbucks. Natürlich war mein Besuch Pflicht. Warum mein Lieblingscafé nun deutlich besser besucht war, als der ungeliebte Nachbar war mir beim Eintreten sofort klar. Der Betreiber, ein kluger Grieche, hatte die deutsche Politik zur Hilfe gerufen und konnte dank dem Nichtraucherschutzgesetz in Baden-Württemberg sein Café zu einem Rauchercafé machen. Im Starbucks gegenüber ist das leider, wie überall auf der Welt nicht erlaubt...

Freitag, 8. Januar 2010

Gracias a Dios

Madrid. Ich weile derzeit in Madrid mit dem Ziel meine Spanischkenntnisse aufzubessern. Es ist dabei von entscheidender Bedeutung, so oft wie möglich den Kontakt zu hablantes nativos zu suchen. Der tägliche Besuch einer der zahlreichen Bars oder Cafés ist folglich eine Art Wahlpflichtfach zum Erlernen einer Sprache. Im Café "El Angel Azul" konnte ich mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen Ohrenzeuge eines Gesprächs zwischen dem gelangweilten Kellner und zweier Franzosen, deren Spanisch mein Niveau noch unterschritt, werden. Das Gespräch wandte sich vom aktuellen Wetter, eine spanische "Eiszeit" scheint ausgebrochen, der allgemeinen, wirtschaftlichen Lage des Landes und im Speziellen der Tourismusbranche zu. Der Kellner machte anhand einer Karte deutlich, an welchen Stränden und auf welchen Inseln welche Nationalität anzutreffen sei. Dabei viel das Wort "aleman" sehr häufig. Auf die Frage ob sich das Besucherverhalten in den letzten Jahren geändert habe, antwortete der Kellner: "Ja, die Deutschen sind zurück. Die Zeiten sind schlecht und sie sind wieder da. Gott sei Dank."

Donnerstag, 7. Januar 2010

Neulich im Café (1)

Frankfurt. Neulich in meinem Frankfurter Lieblingscafé "Neues Café Schneider": Weihnachtstrubel. Hektik. Zwischen all den vollbepackten Gästen sitze ich mit meiner FAZ und beobachte die Szenerie. Menschen schieben sich in das Café, wählen aus der reichlich gedeckten Kuchentheke ihren Favoriten aus und bestellen Wiener Melage. Laute Gespräche. Weihnachten ist das beherrschende Thema. Dazwischen wieder Bestellungen. An der Kuchentheke hat eine ältere Dame gerade ein Stück Mohnkuchen bestellt. Es ist das letzte Stück. Es ist klein. Der Kuchen wird zurecht gemacht, die Dame begibt sich zu ihrem Platz. 3,20 EUR kostet ein Stück Kuchen, egal welcher Größe und Art. Auch in diesem Fall. Schnell greift die Bedienung zu, will das Stück zu seiner Bestellerin bringen, doch sie zögert. Sie würdigt das Stück Kuchen eines kritischen Blickes, läuft zurück zur Kuchentheke und erklärt feierlich, sie werde niemals für ein solches Stück 3,20 EUR verlangen. Sie ändert den Preis und liefert es aus.

Ich bin beeindruckt. Sie handelt couragiert im Sinne der Kundin. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Verhalten ohne negativen Spätfolgen bleibt. In diesen Zeiten sind solche kleinen Freuden, ermutigende Beispiele und es bleibt nur zu sagen: Mehr bitte!