Wir vertreten die MAINung, dass Politik von der Diskussion lebt. Dieser Idee haben wir unseren Blog gewidmet. Wir sind Nikolaus Barth und Daniel Müller. Langjährig in der Jungen Union/CSU aktiv und zwischenzeitlich in verschiedenen Berufen und Orten beheimatet. Wir sind unseren Wurzeln dennoch weiterhin verbunden und mit dem steten Drang sich zu Wort zu melden. Die Themen reichen vom Untermain über München und Berlin bis nach Brüssel und darüber hinaus.

Viel Freude beim Lesen!

Sonntag, 30. Juli 2017

Zurück in die Vergangenheit

München. Berthold Rüth hat eindrucksvoll die Mehrheit der Delegierten hinter sich versammelt. Mit 123 zu 34 Stimmen hat er seinen Herausforderer Daniel Müller besiegt und ist wieder Direktkandidat seiner Partei für die Landtagswahl. Sein Ergebnis ist ein Auftrag weit über Wahl 2018 hinaus. Und für die CSU geht es zurück in die Vergangenheit.

Das bekannte, biblische Gleichnis von den anvertrauten Talenten will Mut machen und zugleich mahnen: Setze deine Fähigkeiten und Kräfte ein! In diesem Gleichnis werden, diejenigen belohnt, die Mut beweisen. Vor diesem Hintergrund hat die Miltenberger CSU das Gegenteil getan. Mit Rüth setzt die CSU auf die Vergangenheit: Was gut war, wird gut bleiben. Die Talente der Partei werden vertröstet.

Was hat den Ausschlag für Rüth gegeben?

Rüth verdeutlichte, dass nur er die Schlüsselposition für die CSU ausfüllen könne. Wie in den vergangenen 14 Jahren, werde er auch in Zukunft für Verlässlichkeit und Berechenbarkeit stehen. Wie viel er für Miltenberg gegeben habe, verdeutlichte Rüth mit einer Zahl: Eine dreiviertel Milliarde sind in den Landkreis seit seiner ersten Wahl geflossen. Wer Experimente wage, riskiere zu viel.

Dabei ist die Lage ernst: Die CSU hat im Landkreis Miltenberg an Zustimmung eingebüßt. Die Kommunalwahlen 2014 auf Kreisebene wurden verloren. Wer es mit der CSU gut meint, bildet sich ein eigenes Urteil. Doch wer Bürgern zuhört und die Wirklichkeit betrachtet, kann zu keinem anderen Urteil kommen: Die Zeiten, in welchen ohne die CSU nichts ging scheinen im Landkreis Miltenberg vorüber.

Die erste Frage muss daher lauten: Kann Berthold Rüth die Wahlen 2018 gewinnen? Die CSU-Delegierten waren davon überzeugt. Doch reichen die Rezepte aus der Vergangenheit wirklich aus? Rüth feiert sich für jede Schlüsselzuweisung, die auch Teil der dreiviertel Milliarde sind. Doch müsste die Frage lauten, hat er den rechtlichen Rahmen dafür entscheidend mitbestimmt oder ist er nur der Bote vom Untermain für die bayerische Staatsregierung? Während sich in Oberbayern kaum ein Abgeordneter über die finanzielle Unterstützung als Zeichen der Schwäche freut, sind sie längst unverzichtbar für die Entwicklung des ländlichen Raums hin zu gleichwertigen Lebensverhältnissen geworden. Reicht das, um überzeugend vor den Wähler zu treten? Was sind die anderen großen Themen seiner nächsten fünf Jahre?

Die zweite Frage sollte lauten: Kann der glaubwürdige Generationenwechsel, manch einer sagt Wandel, mit ihm gelingen? Die Delegierten haben auch diese Frage mit einem klaren Ja beantwortet. Mit Blick auf die Kommunalwahlen 2020 ist es jetzt fast schon zu spät einen Generationswechsel zu starten. Rüths wiederholte Wahl zum Kreisvorsitzenden und Stimmkreiskandidaten ist ein klarer Auftrag für ihn weit über das Jahr 2018 hinaus. Er muss den Wandel jetzt mutig angehen und für 2020 einen glaubwürdigen und attraktiven Kandidaten gegen den Grünen Landrat Scherf ins Rennen schicken. Der Anspruch der CSU muss sein, die Gestaltungsperspektiven des Chefsessels im Landratsamt wieder selbst zu übernehmen.

Die Delegierten scheuten das Risiko und setzen auf Rüth. Daniel Müller hat Mut bewiesen, wurde dafür aber nicht belohnt. Er war die Zukunft. Um das Gleichnis nochmal zu bemühen: Die Delegierten haben die Talente vergraben, um sie für später zu erhalten. Ein Blick in die Bibel reicht um das Ergebnis abzusehen.