Madrid. Am vergangenen Freitag verbreiteten asiatische Wirtschaftsmedien und Nachrichtenagenturen das Gerücht, Angela Merkel stehe vor dem Rücktritt. Mitten in der Nacht spekulierten übereifrige Nachrichtenschreiber, die Kanzlerin sehe sich nach dem gescheiterten Start der Koalition, der Informationspolitik zum Thema Afghanistan und der internen Kritik zu diesem Schritt genötigt. Der Euro verlor daraufhin kräftig an Stärke. Die Welt sorgte sich plötzlich um Merkel.
Die Kanzlerin steht als mächtigste Frau der Welt auch nach vier Jahren als Star auf der internationalen politischen Bühne. Von ihren innenpolitischen Schwierigkeiten nehmen die fernen Hauptstädte erst seit Freitag Notiz. Neu ist für viele dabei, dass die Kanzlerin ihren internationalen Marktwert nicht nach Deutschland übertragen kann. Neu ist auch, dass sie Wahlen verliert. Das passt sogar nicht zu dem Bild der internationalen Analysten.
Doch lautet heute nicht die Frage, warum hat die Welt so ein gutes Bild von Merkel, stellen wir uns lieber die Frage, warum haben die Deutschen so ein schlechtes Bild von ihrer Kanzlerin? Was wäre ohne sie?
Außenpolitisch punktet die Kanzlerin international wie auch national, weil sie eine deutsche Außenpolitik der Gutmenschen pflegt. Ihre primäre Mission ist der Klimaschutz. Sie setzt dabei auf die Vernunft der Menschen. Kaum ein anderer Regierungschef von Bedeutung kümmert sich so intensiv um dieses Thema. Durch die deutsche Umweltpolitik hat sie gleichzeitig eine hohe Glaubwürdigkeit. In Europa versucht sie den Spagat zwischen Frankreich und Polen und erarbeitet sich dank der bewussten Einbindung kleinerer Länder Anerkennung. Hier entscheidet sie auch. Sie verpflichtet die anderen auf bewertbare Klimaziele und tritt für klare Positionen gegen EU-Beitritt der Türkei ein. Ihren männlichen Kollegen, allen voran dem französischen Präsidenten, lässt sie den Vortritt und kommentiert gleichzeitig nicht jedes kritische Wort. International ist ihr Kompass europäisch/transatlantisch ausgerichtet. Zu Russland ist ihr Verhältnis zurückhaltend, was nach der doppelköpfigen Politik Schröders zu Russland auf der einen Seite, zu anderen Systemen auf der anderen Seite, erfrischend ist. Gegen China tritt sie bisweilen provozierend auf. Spürbar ist ihre Verunsicherung mit Blick auf den Hindukusch. Für einen wissenschaftlich denkenden Menschen ist dieser Einsatz eine Mischung aus Versuch und Abenteuer und keinenfalls logisch. Den Einsatz unterstützt sie, verwirklicht hatte ihn noch die Vorgängerregierung. Ihre außenpolitische Überzeugung ist logisch, wenngleich nicht in jedem Punkt im Interesse Deutschlands. Sie ermöglicht Merkel aber im Konzert der Großen mitzuspielen und verleiht dem Land Anerkennnung und Machtgewinn. Schwer vorstellbar, dass ein Nachfolger diese Politik im Pianostil durchhalten könnte.
Die Innenpolitik ist anders. Während sie in der Außenpolitik ihre Rolle gefunden hat, sucht sie hier noch. Die Umweltpolitik scheint eine Leihgabe der Grünen zu sein, die Steuerpolitik ist auf Forderungen anderer aufgebaut. Die mutigen Weichenstellung der Leipziger Beschlüsse sind tabu, weil sie scheinbar nicht mehrheitsfähig sind, gar ein Konjunkturprogramm für Linke und SPD wären. Die Fortsetzung der sozialdemokratischen Politik unter ihrer Moderation und mit ausgewählten Positionen der FDP ist mehrheitsfähig. Ihr Gewicht wiegt daher so unbedeutend, weil ihre Kompassnadel das Ziel sucht. Weil Deutschland verhältnismäßig gut dasteht in Europa und der Welt, wird dieses Suchen international nicht wahr genommen. Merkels deutsche Freunde wie Feinde, Wähler wie Nichtwähler nehmen dieses Suchen dagegen wahr.
Was wäre ohne sie? Die außenpolitische Weltgeltung könnte schnell gegen Mittelmäßigkeit eingetauscht werden, wenn andere deutsche Interessen, beispielsweise in der Wirtschaftspolitik oder Sicherheitsarchitektur stärker betont würden. Innenpolitisch stünde den Deutschen eine konfliktgeladene Regierung bevor. Ein reformorientierter Regierungschef würde sich in weiten Teilen der sozialeren Unionsflügel Feinde machen. Ein sozialorientierter Grenzgänger würde den Bruch mit den Liberalen risikieren. Dabei könnten beide Wege konservativer gestaltet sein.
Merkel könnte sich auch einen Königsweg auswählen. Unter Beibehaltung der sozialdemokratischen Politik und der Steuergeschenke könnte sie eine konservative Ausrichtung einschlagen. Aber hier unterschätzen viele die Kanzlerin. Ihre Idee, die Union moderner zu machen, zu einer neuen Mitte zu führen, gibt sie seit Jahren nicht auf. Sie reformiert das Land auf ihre Weise. Zu gegebner Zeit wird ihr Stil zupackend. Der Kompass wird dann die Richtung Leipzig zeigen und keiner wird es merken. Typisch Merkel.
Die Kanzlerin steht als mächtigste Frau der Welt auch nach vier Jahren als Star auf der internationalen politischen Bühne. Von ihren innenpolitischen Schwierigkeiten nehmen die fernen Hauptstädte erst seit Freitag Notiz. Neu ist für viele dabei, dass die Kanzlerin ihren internationalen Marktwert nicht nach Deutschland übertragen kann. Neu ist auch, dass sie Wahlen verliert. Das passt sogar nicht zu dem Bild der internationalen Analysten.
Doch lautet heute nicht die Frage, warum hat die Welt so ein gutes Bild von Merkel, stellen wir uns lieber die Frage, warum haben die Deutschen so ein schlechtes Bild von ihrer Kanzlerin? Was wäre ohne sie?
Außenpolitisch punktet die Kanzlerin international wie auch national, weil sie eine deutsche Außenpolitik der Gutmenschen pflegt. Ihre primäre Mission ist der Klimaschutz. Sie setzt dabei auf die Vernunft der Menschen. Kaum ein anderer Regierungschef von Bedeutung kümmert sich so intensiv um dieses Thema. Durch die deutsche Umweltpolitik hat sie gleichzeitig eine hohe Glaubwürdigkeit. In Europa versucht sie den Spagat zwischen Frankreich und Polen und erarbeitet sich dank der bewussten Einbindung kleinerer Länder Anerkennung. Hier entscheidet sie auch. Sie verpflichtet die anderen auf bewertbare Klimaziele und tritt für klare Positionen gegen EU-Beitritt der Türkei ein. Ihren männlichen Kollegen, allen voran dem französischen Präsidenten, lässt sie den Vortritt und kommentiert gleichzeitig nicht jedes kritische Wort. International ist ihr Kompass europäisch/transatlantisch ausgerichtet. Zu Russland ist ihr Verhältnis zurückhaltend, was nach der doppelköpfigen Politik Schröders zu Russland auf der einen Seite, zu anderen Systemen auf der anderen Seite, erfrischend ist. Gegen China tritt sie bisweilen provozierend auf. Spürbar ist ihre Verunsicherung mit Blick auf den Hindukusch. Für einen wissenschaftlich denkenden Menschen ist dieser Einsatz eine Mischung aus Versuch und Abenteuer und keinenfalls logisch. Den Einsatz unterstützt sie, verwirklicht hatte ihn noch die Vorgängerregierung. Ihre außenpolitische Überzeugung ist logisch, wenngleich nicht in jedem Punkt im Interesse Deutschlands. Sie ermöglicht Merkel aber im Konzert der Großen mitzuspielen und verleiht dem Land Anerkennnung und Machtgewinn. Schwer vorstellbar, dass ein Nachfolger diese Politik im Pianostil durchhalten könnte.
Die Innenpolitik ist anders. Während sie in der Außenpolitik ihre Rolle gefunden hat, sucht sie hier noch. Die Umweltpolitik scheint eine Leihgabe der Grünen zu sein, die Steuerpolitik ist auf Forderungen anderer aufgebaut. Die mutigen Weichenstellung der Leipziger Beschlüsse sind tabu, weil sie scheinbar nicht mehrheitsfähig sind, gar ein Konjunkturprogramm für Linke und SPD wären. Die Fortsetzung der sozialdemokratischen Politik unter ihrer Moderation und mit ausgewählten Positionen der FDP ist mehrheitsfähig. Ihr Gewicht wiegt daher so unbedeutend, weil ihre Kompassnadel das Ziel sucht. Weil Deutschland verhältnismäßig gut dasteht in Europa und der Welt, wird dieses Suchen international nicht wahr genommen. Merkels deutsche Freunde wie Feinde, Wähler wie Nichtwähler nehmen dieses Suchen dagegen wahr.
Was wäre ohne sie? Die außenpolitische Weltgeltung könnte schnell gegen Mittelmäßigkeit eingetauscht werden, wenn andere deutsche Interessen, beispielsweise in der Wirtschaftspolitik oder Sicherheitsarchitektur stärker betont würden. Innenpolitisch stünde den Deutschen eine konfliktgeladene Regierung bevor. Ein reformorientierter Regierungschef würde sich in weiten Teilen der sozialeren Unionsflügel Feinde machen. Ein sozialorientierter Grenzgänger würde den Bruch mit den Liberalen risikieren. Dabei könnten beide Wege konservativer gestaltet sein.
Merkel könnte sich auch einen Königsweg auswählen. Unter Beibehaltung der sozialdemokratischen Politik und der Steuergeschenke könnte sie eine konservative Ausrichtung einschlagen. Aber hier unterschätzen viele die Kanzlerin. Ihre Idee, die Union moderner zu machen, zu einer neuen Mitte zu führen, gibt sie seit Jahren nicht auf. Sie reformiert das Land auf ihre Weise. Zu gegebner Zeit wird ihr Stil zupackend. Der Kompass wird dann die Richtung Leipzig zeigen und keiner wird es merken. Typisch Merkel.