Sonntagabend, sibirische Kälte in Köln. Zum dritten Mal besuche ich die alte Römerstadt am Rhein. Freunde holen mich vom Bahnhof Deutz ab. Kurze Wege von den Gleisen zum Parkplatz. Wir durchschreiten das Bahnhofsgebäude. Anfang des letzten Jahrhunderts gebaut, wirkt es irgendwie altehrwürdig. Dennoch sind die derzeit laufenden Renovierungsarbeiten gerechtfertigt, nagte doch der Zahn der Zeit offensichtlich schon länger. Die Eingangshalle wirkt eher wie ein Sakralgebäude: Sie besteht aus einem Kuppelbau, welcher von zwei länglichen Gebäudeteilen flankiert wird. Die hohen Fenster lassen tagsüber sicher viel Licht in die gänzlich leere Halle fallen. Was hier wohl angebetet wird? Die Mobilität wahrscheinlich. Eigentlich ein Grund für mich, kurz dem Charme des Gebäudes und seiner Bestimmung zu erliegen.
Beim Einsteigen ins Auto wird mir allerdings berichtet, der Bahnhof habe 2009 die „Saure Zitrone“ gewonnen. Damit zeichnet der Kölner Verkehrsverein jährlich besonders misslungene Bauten und Schandflecke in der Stadt aus. So rechtes Verständnis für diese Entscheidung will bei mir nicht aufkommen. Trotz des geschäftigen Treibens brauchten wir nur zwei Minuten bis zum Auto. Sogar noch fast trockenen Fußes. Damit bin ich eigentlich zufrieden und hätte deswegen heute dafür keine Zitrusfrucht verteilt.
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