Die Stadt im Zentrum Spaniens ist mit Abstand die größte Metropole der iberischen Halbinsel. Sie zählt über 3,1 Mio. Einwohner, mit Vorstädten rund 6,0 Millionen, Tendenz steigend. Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass die Infrastruktur vorbildlich, die Stadt enorm sauber und für Kunstliebhaber überaus attraktiv ist. Tausende von Cafés und Bars sind in Madrid zu finden, die den Lebensrhythmus prägen. Die Arbeitslosenstatistik weist für das gesamte Land eine Quote von über 20%, mancher neigt sogar zu der Feststellung jeder vierter Spanier sei ohne Arbeit. In Madrid ist Lage freilich etwas besser, dennoch viele klagen über niedrige Einkommen und hohe Lebenskosten. Tatsächlich übertrifft das Preisniveau die spanische Provinz und den deutschen Vergleichsmaßstab bei weitem. Preistreiber war die atemberaubende Aufholjagd der spanischen Wirtschaft seit 1995. Sie löste die Abhängigkeit vom Tourismus, brachte aber zeitgleich eine neue Abhängigkeit. Betongold sei hier das Stichwort: nicht neue Technologien, Branchen oder Unternehmen sondern der kreditfinanzierter Bauboom ist Fundament des Erfolgs – der Krise. Die Spanier sind privat verschuldet. Der enorme Konsumhunger hat diese Situation eher verschlimmert.
Doch wie läuft die Anpassung in der Krise? Rabattschlachten sind ein Beispiel. Um die Kauffreude anzureizen werden in den Wochen nach Weihnachten Rebajas (Rabatte) vergleichbar mit dem ehemaligen Winterschlussverkauf durchgeführt. In diesem Jahr fielen die Diskonte noch höher aus als üblich, um die Lager zu räumen. Cafés und Bars sind unter der Woche leer, schließen teilweise vor Mitternacht, eine für normale Verhältnisse absolut untypische Uhrzeit. Restaurants und Bars offerieren unter der Woche Kampfpreise – Cocktails zur Hälfte oder einem Drittel sind üblich – drei Gänge für 10 EUR zu haben. Selbst die amerikanischen Filialisten haben sich angepasst und bieten den Burger der Woche für 2,50 EUR.
Die Madrilenen verhalten sich unterschiedlich. Ein großer Teil zeigt sich davon unbeeindruckt und bleibt zu Hause. Selbst die nicht direkt Betroffenen sparen. Häufig wird die freie Zeit genutzt um Englisch zu lernen. Die Nachfrage nach diesen Kursen erreicht ungekannte Höhen. Auch die Bereitschaft auszuwandern ist vergleichsweiße hoch. Absicherung bietet die Familie. Es ist ein stilles Leiden und wer fragt erfährt, dass die Stadt anders ist als in den vergleichbaren Jahreszeiten der Vorperioden. Das andere Bild ist weniger schön. Unabhängig von der zweifelsfrei vor allem in der Lotterie dokumentierbaren Spielfreude der Spanier, sind in Madrid und anderorts hunderte von Glücksspielhallen zu finden, in denen inzwischen 24 Stunden Betrieb und Nachfrage herrscht. Goldhändler bieten fast aufdrängend ihre Dienste an, Gold in jeder Klasse anzukaufen.
Die Krise hat Spanien verändert – doch das leise Leiden der Spanier kann auch eine Chance sein.