Wir vertreten die MAINung, dass Politik von der Diskussion lebt. Dieser Idee haben wir unseren Blog gewidmet. Wir sind Nikolaus Barth und Daniel Müller. Langjährig in der Jungen Union/CSU aktiv und zwischenzeitlich in verschiedenen Berufen und Orten beheimatet. Wir sind unseren Wurzeln dennoch weiterhin verbunden und mit dem steten Drang sich zu Wort zu melden. Die Themen reichen vom Untermain über München und Berlin bis nach Brüssel und darüber hinaus.

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Freitag, 15. Januar 2010

Madrid - eine nichteuropäische Perspektive

Madrid. Die spanische Kapitale ist nicht irgendeine europäische Großstadt. Sie ist für viele auch ein Brückenkopf nach Europa. Spanier, Latinos, Afrikaner und andere leben hier zusammen und bereichern die kommunale Vielfalt. Doch wie gut sind sie wirklich in das Alltagsleben intergriert. Ein Spaziergang durch zwei Viertel der Hauptstadt bietet eine nichteuropäische Perspektive.

Um einen der beiden Hauptbahnhöfe Madrids, mit Namen Atocha, finden sich drei Viertel in denen Marokkaner, Afrikaner und Latinos leben. Im alltäglichen Leben fallen keine der beiden zu erst genannten Gruppen wirklich auf, lediglich die Latinos prägen das Erscheinungsbild an unterschiedlichen Stellen mit. Vorweg sei der erste Eindruck geschickt, dass Madrid eine extrem liberale, weltoffene und tolarente Stadt ist. Wer einen zweiten Blick wagt, wird diese Meinung behalten und nur geringfügig einschränken. Generell hält sich die Gegenliebe der Spanier, aktuell unter dem Joch der dramatischen Wirtschaftskrise leidend, in Grenzen. Gutbezahlte Arbeit fehlt und so fällt Idee zuviele Immigranten seien in Spanien auf fruchtbaren Boden. Wichtig ist dabei zu wissen, dass wer hier das Licht der Welt erblickt automatisch Spanier ist.

In der Peripherie der Metrostation und des gleichnamigen Platz Lavapiés findet sich das afrikanische/marokkanische Viertel. Während der eigentliche marokkanische Bezirk einen orientalischen Charakter und Charme vorweißt, ist dieses Viertel von Orientierungslosigkeit geprägt. Auffällig viele Menschen stehen in den Straßen und Plätzen scheinbar taten- und arbeitslos herum. Ein Sprachengewirr ist zu vernehmen, wobei französisch als einzige Sprache klar erkennbar ist. Wie Madrid im Ganzen, sind auch diese Plätze sehr sauber. Konjunktur und Arbeit scheinen in diesem Viertel nur Chinesen zu haben. Während sich in Paris um den Bahnhof Paris Est ein afrikanisches Geschäft oder Café an das andere reiht, kann hier vergleichbares nicht festgestellt werden. In Madrid sind es chinesische Billigläden. Cafés sind Mangelware, was sicherlich auch an dem generellen Preisniveau der Hauptstadt liegt. Die gefühlte Stimmung ist negativ. Die nichteuropäische Perspektive ist hier perspektivlos.

Wenige Strassenzüge weiter, um die Metrostation La Latina herum, erstrecken sich die Wohnungen vieler Latinos. Die stärkste Zuwanderug findet derzeit aus Ecuador und Venezuela statt. Insgesamt wirkt das Viertel freundlicher. Cafés und Läden verraten durch Verwendung südamerikanischer Begriffe ihre Herkunft. Es gibt
ein lateinamerikanisches Theater. Chinesische Billigläden sind kaum zu finden, die Wirtschaftskrise jedoch schon. Viele Geschäfte sind geschlossen. Trotz allem wirkt die Perspektive freundlich, weniger pessimistisch.

Für beide Gruppen hat Europa nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Sicherheit und der Ausblick auf einen bescheidenen Wohlstand richten die Kompassnadeln klar aus. Sauberes Trinkwasser, sichere Straßen, Nahverkehr und Nahrung sind für Europäer eine Selbstverständlichkeit, für Latinos und Afrikaner sind sie es nicht. Die nichteuropäische Perspektive ist stets Europa=Hoffnung. Für Europa ist dies eine große Chance. Die demographische Entwicklung ist ein Damoklesschwert. Europa kann dieses Problem zwar auch nicht durch Zuwanderung lösen, jedoch lindern. Gerade die Latinos Spaniens zeigen, dass die Überwindung der Sprachbarriere entscheidend ist. Die Überwindung dieser Barriere schneit dabei nur möglich, wenn die nichteuropäische Perspektive sich weiterentwickelt - sonst wird sie perspektivlos. Die Auswanderungswellen aus dem Armenhaus Europa in die neue Welt im letzten Jahrhundert hatten damals nicht Sicherheit und Wohlstand als Perspektive, sondern den amerikanischen Traum "The American Dream". Das europäische Gegenstück wartet noch darauf geträumt zu werden.